Woher die Angst?

// von Boris Pfeiffer //

Er trug eine schwarze Kunsthaarperücke und sprach mich von hinten an. Er verballhornte seinen Namen, damit niemand ihn ganz hörte, ich aber erraten könne, wer er war. Natürlich erkannte ich ihn auf Anhieb. Aber er war ja noch ein Kind und führte die ganze Scharade nur auf, um seinen Vater zu täuschen. Der saß weiter vorne im Kino, zusammen mit seiner Frau, die das Spiel mitmachte. Als ich den Jungen begrüßt hatte, ging er weiter zu seinen Eltern und setzte sich neben sie. Sein Vater bekam mit, dass er mit mir gesprochen hatte. Gleich darauf standen die drei auf und verließen den Kinosaal.
Der Junge hatte mich schon immer geliebt. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass es für Jungen über den Vater hinaus wichtige männliche Bezugsfiguren gibt. Ich glaube nicht, dass das seinem Vater klar war. Und wenn, verging er sich tatsächlich umso schlimmer an seiner Familie. Es wäre sicher besser gewesen, dass er wusste, was er in ihm anrichtete. Die eigene Psycholabilität ist keine Ausrede, unabhängig davon, was einer als ihr geschuldet ansehen kann. Und am Ende gelten sowieso keine Entschuldigungen.
Die Familienaufstellung wurde schon wieder um eine Generation verlängert. Es waren jetzt Figurationen seit von vor dem Zweiten Weltkrieg, die den Schlamm, in dem wir wateten, immer tiefer machte. Warum konnten sich sie alle von meinen Großeltern an bis heute nicht selbst ins Gesicht sehen, warum hatte keiner die Kraft dazu? Und warum sah ich es und sprach es aus. Was machte ihnen solche Angst?
Würde ich die Hoffnung dem Kind mit der Perücke weitergeben können, das Versagen der Generationen zu brechen?

// Der Verlag Akademie der Abenteuer wurde Ende 2020 gegründet. Hier fanden zunächst Kinderbücher ein neues Zuhause, die sonst aus dem Buchhandel verschwunden wären. Dies ermöglicht den Autorinnen und Autoren ihre Bücher auch weiterhin bei Lesungen vorzustellen und ihre Backlist zu pflegen. Irene Margil und Andreas Schlüter seien hier beispielgebend herzlich genannt. Schritt für Schritt kamen dann Neuveröffentlichungen hinzu. Seitdem sind über 80 Bücher von mehr als 20 Autorinnen und Autoren aus vielen Teilen der Welt erschienen –  zweimal hochgelobt von Elke Heidenreich, einmal in den Musenblättern zum Buch des Jahres gekürt. Alle Bücher des Verlags lassen sich finden im Überblick.

Der Verlagsgründer Boris Pfeiffer ist einer der meistgelesenen Kinderbuchautoren Deutschlands. Er schrieb zum Beispiel die von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen als einzigartig gelobte historisch-fantastische Zeitreisensaga Akademie der Abenteuer, wie auch über 120 Bände für die beliebte Kinderbuchreihe ‚Die drei ??? Kids‘. Von ihm stammen: ‚Celfie und die Unvollkommenen‘, Die Unsichtbar-Affen oder ‚Das wilde Pack‘. (Dieses werden André Marx, Boris Pfeiffer und Sebastian Meyer 2026 neu gestaltet im Verlag Akademie der Abenteuer neu herausbringen.)

Boris Pfeiffer ist der Gründer des Verlags Akademie der Abenteuer. Zuletzt erschienen dort von ihm zusammen mit der in Australien lebenden Malerin Michèle Meister die Gedicht- und Bildbände für Erwachsene „Nicht aus Adams Rippe“ und „Mitten im Leben“. Die beiden nächsten Bände erscheinen dieses Jahr. Von Kindern mit großer Aufmerksamkeit gelesen wird Boris Pfeiffers vierbändige Ozean-Geschichte SURVIVORS, die von einem Schwarm bunt zusammengewürfelter Fische erzählt, deren gemeinsames Ziel es ist, den Klimawandel zu überleben. Sein Roman „Feuer, Erde, Wasser, Sturm – Zum Überleben brauchst du alle Sinne“ wurde in der Süddeutschen Zeitung als eines der zehn besten Jugendbücher des Jahres 2023 gewählt. Er arbeitet zur Zeit an einem neuen Roman (die ersten sechs Kapitel sind fertig) und schreibt in loser Folge neue Kinderbücher mit den Fußballvereinen der Deutschen Bundesliga, zuletzt mit Hansa Rostock und Hannover 96 und Union Berlin, und demnächst auch wieder mit der ganzen Bundesliga in einem Band versammelt. //

Aus dem Verlag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert