ELEFANTEN

von Erwin Grosche

Gerne sagt man, dass jemand wie ein Elefant im Porzellanladen wütet, wenn er ungeschickt oder unsensibel zu Werke gegangen ist. Man sollte da aber Unterscheidungen treffen. Es ist nicht der indische Elefant, der sich in Porzellanläden aufhält und für Unordnung sorgt. Es ist der afrikanische Elefant, der eine Vorliebe für Porzellan entwickelt hat und an keinem Porzellanladen vorbei gehen kann, ohne dort seinen Rüssel hineinzustecken. Deutlich muss man auch darauf hinweisen, dass es nicht nur der afrikanische Elefant ist, den man dort antrifft, sondern auch, dass es sich dabei nur um den weiblichen afrikanischen Elefant handelt, der gerne shoppen geht und oft in einen Rausch gerät, den man sonst nur von Motten in Wollläden erwartet hätte, Der männliche afrikanische Elefant interessiert sich nicht für Töpferartikel und ist in der Regel gegenüber in der Spielothek anzutreffen. Vielleicht sollten Porzellanladenbesitzer mit ihren Verdächtigungen exakter um sich schmeißen und auf ihre „Elefanten dürfen hier nicht rein-Schildern genauer darauf hinweisen: „Weibliche afrikanische Elefanten dürfen hier nicht rein“, um nicht wahllos alles vorzuverurteilen, was einen Rüssel hat und einen großen Suppentopf sucht. Natürlich gibt es dann viele weibliche afrikanische Elefanten, die sich gegen dieses Porzellanladenverbot wehren werden. Elefanten haben immer recht. Erst gestern hatte ich Besuch von einer Elefanten-Delegation, die mir gerichtliche Schritte androhten, wenn diese Schilder vor Porzellanläden auftauchen werden. Sie kamen dazu in meine Küche gelaufen und hinterließen natürlich einen Trümmerhaufen. Ich sagte dazu nichts, und habe mir nun vorsorglich einen Besen mit einem Kehrblech in die Ecke gestellt. Manche Probleme löst man nur, wenn man sie erträgt.    

Der Autor, Schauspieler, Kabarettist und – nicht zu vergessen ! – Paderborner Erwin Grosche, in jedem seiner Fächer ein herz- und kopferreichender Meister, veröffentlicht im Verlag Akademie der Abenteuer als nächtes Buch den Gedichtband „Das ist nicht so, das ist ganz anders“. Die umwerfenden farbigen Holzschnitte dazu stammen von Hans Christian Rüngeler.

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