Wie der Vater so der Sohn

von Gudrun Wiebke

Ich bin mit Freundinnen auf einer Nordsee-Insel. Die Einkaufsmeile ist so klein, dass man immer wieder bereits bekannte Gesichter trifft. Wir „kennen“ uns von der Fährüberfahrt, als wir das überschaubare Deck miteinander teilen mussten. Wir lächeln uns an, nicken uns zu. Die Tage auf der Insel ähneln immer mehr einem großen Familientreffen.
Wir stehen vor einem Schaufenster und bewundern hochwertige, handgewebte Schals. Eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn stellt sich zu uns. Ich trete zur Seite, um den beiden Platz zu machen. So kann ich beobachten, wie der Kleine – ich schätze ihn auf drei oder vier Jahre – an meiner Freundin hochsieht und sie betrachtet. Er scheint zu einem Entschluss gekommen zu sein, denn er hebt seinen Arm und schlägt mit der flachen Hand auf ihren Po. Meine Freundin dreht sich mit einem verwunderten „Huch!“ zu ihm um. Sie muss lachen, als sie den Kleinen erblickt.
Die Mutter bekommt einen roten Kopf und zieht ihren Sohn schnell zur Seite. Sie schimpft: „Was machst du denn da!?“ Es ist ihr offensichtlich sehr peinlich. 
„Nichts“, sagt der Kleine. Er versteht ihre Aufregung nicht. „Das macht Papa doch auch immer so.“

Gudrun Wiebke schreibt Kriminalerzählungen und veröffentlicht demnächst ihre erstes Kinderbuch von Luca, seinem Lachen, seinen Tränen und seinen Freunden. Im Verlag Akademie der Abenteuer ist von ihr zuletzt erschienen: Kommissar Traudich und das Schweigen des Stoppelfelds.

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