Soylent blue

von Boris Pfeiffer

„Blauer Zettel – blaue Pfeile“ ist diesmal das Motto. Mit „blauer Zettel“ ist das einmal in der Mitte gefaltete, hellblaue Din-A4-Blatt gemeint, in das die junge Frau am Counter meine zuvor von ihr ordentlich mit einer Büroklammer zusammengehefteten Papiere samt Impfbuch und Personalausweis gelegt hat. „Immer schön sichtbar nach oben halten, dann weisen meine Kollegen Sie weiter.“  Ich kenne den, zumal kurzen Weg vom letztenmal, halte aber mein blaues Papier freundlich vor meine Brust und werde alle vier Meter von einem jungen Mann weitergewunken. Einige erkenne ich wieder. Soylent blue ist das hier zum Glück nicht, obwohl, der deutsche Titel passt: „Soylent blue, 2022, die überleben wollen …“
Diesmal gibt es eine lange Schlange vor dem Eintritt in die Impfkabinen. In dieser angekommen, ich erwische eine meiner Glückzahlen, tritt die Ärztin, diesmal eine alleine, ein und stellt sich vor: „Guten Tag, Katharina.“ Durchaus erstaunt stelle ich mich gleichermaßen vor: „Guten Tag, Katharina. Boris.“ Sie sieht mich etwas baff an. „Nicht Katharina, Kantrina! Wir siezen uns hier schon irgendwie.“
„Dann Pfeiffer“, erwidere ich und lächele hinter der Maske.
Die Impfung passiert ruckzuck.     

Boris Pfeiffer ist einer der meistgelesenen Kinderbuchautoren Deutschlands, sein Werk in viele Sprachen übersetzt. Im Verlag Akademie der Abenteuer erscheint seine (dem Verlag den Namen gebende) Buchreihe um die Magie des Wissens und die Macht des Geldes Akademie der Abenteuer. Zuletzt erschien von ihm zusammen mit der in Australien lebenden Malerin Michèle Meister der Gedichtband Lockdown – ein C-Movie.

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