Pflegefamilie

von Maria Giovanna Tassinari

Wenn wir spazieren gehen, sehen wir sie manchmal am Straßenrand. Sie liegen auf einer niedrigen Mauer, manchmal auf der Treppe eines Hauseingangs, auf der Fensterbrett eines Schaufensters, auf einem Stromverteilerkasten. Verlassen, warten sie darauf, dass jemand sie wahrnimmt.
Mein Mann bleibt stehen und schaut sie sich an. Ich komme dazu. Manchmal sind sie alt, gelblich, schmutzig, abgenutzt. Manchmal wie unberührt. Wir können sie nicht da lassen, so nehmen wir sie in die Hand, behutsam. Und nehmen welche mit nach Hause. Bieten ihnen ein Heim.
Ein der letzten ist Gegen alle Regeln. Ein Memoir über Liebe und Verlust von Ariel Levy. Ein orangefarbener Umschlag, auf dem die Titelbuchstaben rosarot hervorstecken. Ein unverkäufliches Leseexemplar, wie es auf dem Schmutztitel steht. Ariel Levy erzählt ihre Geschichte, ihre Anfänge als Journalistin, ihr Leben im New York der 1990er Jahre. Die Begegnung mit der Liebe, ihrer Ehepartnerin. Ihre Suche nach Abenteuer und nach Vertrautheit. Ihr Bemühen, alles unter einem Hut zu kriegen und letztendlich ihr Scheitern. Dann ihr Weitergehen.

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