Berliner Nonchalance

von Boris Pfeiffer

Es hat geschneit, wundervoll, weiße Pracht, Schneeweiß macht glücklich. Ich will nach Lichterfelde an eine Schule, den Kindern ihre Bücher signieren. Vor meinem Auto, das in einem Quer-zur-Straße-Parkplatz steht, ist ein weißer Mercedes auf der Fahrbahn abgeparkt. Ich schaufele meine Scheiben frei, dann mache ich mich auf die Suche nach dem Fahrer. Es gibt hier ein paar Bars, in denen je-dicker-der-Wagen-desto-lustiger-die-Leute sich immer eine handvoll Männer trifft, die gerne auf der Straße parken. Doch die Bars sind leer. Es ist zu früh. Im Croissant-Café meint die Besitzerin, ich solle es Richtung Eiscafé versuchen. Das Eiscafé ist leer, wenig erstaunlich bei dem Wetter. Ich frage die Besitzerin des Croissant-Cafés erneut. Nicht im Eiscafé, meint sie, im Rahmenladen solle ich fragen. Da bin ich eben vorbeigegangen. Eine Frau stand hinter der Glasscheibe der Tür und blickte hinaus. Sie steht immer noch da, als ich ankomme, zum vierten Mal an diesem Morgen. Ich öffne die Tür. „Guten Tag, ist das ihr weißer Mercedes?“
„Ja.“
„Würden Sie bitte wegparken?“
„Nichts lieber als das. Hach, direkt vor der Tür bekomme ich einen Parkplatz!“
Himmel, Arsch und Zwirn, wenn sie doch nur die Chuzpe gehabt hätte, von sich aus rauszukommen, mich anzusprechen, anstatt dermaßen gemütsvoll darauf zu warten, dass man sie findet, wenn sie scheiße geparkt hat. Berlin, Berlin, da wo die Verrückten sind, da gehörste hin … Halleluiah! Es schneit weiter.

Boris Pfeiffer ist einer der meistgelesenen Kinderbuchautoren Deutschlands (er schreibt z.B. die Drei ??? Kids) und Gründer des Verlags Akademie der Abenteuer. Zuletzt erschien dort zusammen mit der in Australien lebenden Malerin Michèle Meister der Gedicht- und Bildband für Erwachsene Lockdown – ein C-Movie. Ende September 2021 erschien bei Harper & Collins der erste Band seiner neuen Kinderbuchreihe SURVIVORS.

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