Spielpsychologie

von Boris Pfeiffer

Zu fünft haben sie den Vormittag über Sport getrieben, Badminton gespielt, so wie früher Federball auf der Wiese, nur nach Regeln und ein bisschen mehr Technik, die sie sich im Laufe der Jahre angeeignet haben. Der kleinste, grauhaarig, eher adipös inzwischen als muskulös, hört als erster auf. Er packt seine Sachen zusammen, um duschen zu gehen. „Hey!, ruft er dann plötzlich aufs Spielfeld, wo das entscheidende letzte Spiel des Tages gespielt wird. Wer jetzt verliert, wird mit einer Niederlage gehen, die anderen können sich im Glanze des Siegerglücks an den Biertisch begeben. „Hat einer mein kleines Handy gesehen? Ich hatte es vorhin noch. Es ist mein Zweithandy, so ein kleines, das hatte ich vorhin hier noch.“
„Guck doch ruhig in die Taschen“, ruft der Russe. „Kannst gucken.“ Doch das Spiel ist schon unterbrochen. Einer läuft zum Mülleimer und durchwühlt ihn. Einer sieht unter einem Kleiderhaufen nach. Einer steht verloren auf dem Feld und sieht zu. Dann wird der Mülleimer ausgekippt. Dann durchsucht der, der eben noch verloren geschaut hat, seine Jackentaschen. Alles wird gehoben und gelupft. Das kleine Handy findet sich schließlich in der Schlägertasche des kleinen Grauhaarigen. Da, wo es hingehörte. Das Spiel gewinnen die, die zuvor zurücklagen und mächtig in der Klemme steckten. Alles hat sich umgedreht.  

Boris Pfeiffer ist einer der meistgelesenen Kinderbuchautoren Deutschlands (er schreibt z.B. die Drei ??? Kids) und Gründer des Verlags Akademie der Abenteuer. Zuletzt erschien dort zusammen mit der in Australien lebenden Malerin Michèle Meister der Gedicht- und Bildband für Erwachsene Lockdown – ein C-Movie. Ende September 2021 erschien bei Harper & Collins der erste Band seiner neuen Kinderbuchreihe SURVIVORS.

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