Morgens in Berlin

von Boris Pfeiffer

Erst Post oder erst Kaffee?
Erst Kaffee.
Den gibt es aus der Bio-Konditorei. Die Bäckerin gibt noch extra heißes Wasser dazu. Jetzt ist es ein schöner heißer langer Kaffee. Getrunken wird auf dem Fasanenplatz. Denn in der Bäckerei müsst man das Handy zücken und den Covidpass vorzeigen. Mit dem Auto kann man nur um die eine Hälfte des  Platzes fahren. Die andere ist abgesperrt. Dort gibt es ein schönes Kopfsteinpflaster. Es liegt voller Laub. Es wird Herbst. Zwischen den Absperrstäben hindurch schiebt sich ein oranges Etwas. Es ist eckig, es ist laut und es macht sauber. Der urban sweeper fährt über das Kopfsteinpflaster. Der Fahrer steuert fein säuberlich  an der Bordsteinkante entlang. Hinter ihm liegt nun eine von Laub ganz und gar befreite Spur. Es sieht aus wie die Bahn, wenn man der erste mal mit dem Staubsauger über einen Teppich fährt, , dem man ansieht, in welche Richtung der Staubsauger geschoben wurde. Der Fahrer wendet geschickt. Er spreizt die Bürsten vorne an der Maschine  einmal zum Gruß und fährt dann dicht an den Sitzbänken entlang. Er lächelt den Sitzenden zu. Er hat ein freundliches Gesicht. Es riecht jetzt auch wie nach geschnittenem Gras. Die feuchten Blätter vom Kopfsteinpflaster sind aufgewirbelt, haben sich umgedreht und geben ihren Geruch ab in die Luft.

Boris Pfeiffer ist einer der meistgelesenen Kinderbuchautoren Deutschlands und Gründer des Verlags Akademie der Abenteuer. Zuletzt erschien dort zusammen mit der in Australien lebenden Malerin Michèle Meister der Gedicht- und Bildband für Erwachsene Lockdown – ein C-Movie. Ende September 2021 erscheint bei Harper & Collins der erste Band seiner neuen Kinderbuchreihe SURVIVORS.

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