Windmühlen, silbern

von Boris Pfeiffer

Auf dem obersten Balkon des weißen Jugendstilhauses mit den meterhohen Außenstuckblumen, vor drei hohen, schmalen Fenstern in Schwarz, blitzen in diesen Apriltagen morgens zwei Windmühlen. Sie sind silbern und stecken nah beieinander in einem Blumenkasten. Wenn sie sich drehen, werfen sie Funken. Sie funkeln und funkeln im ersten Morgenlicht wie der Mond, wenn er am Nachthimmel sein Sonnenbad nimmt, einsam im kosmischen Dunkelwasser, und alte Geschichten erzählt, eine nach der anderen. Sie funkeln wie junge Fische, die im Ozean zum ersten Mal in die Sonne geraten. Sie flattern wie Cocktailpicksticks, durchgeknallt und zugleich eisig. Sie sehen hinunter auf die Straße und gucken sich das Sonnenlicht auf den Blechkarossen an. Sie sind pure durchgeknallte Materie und sorgen dafür, dass keine Krähe, keine Taube im Blumenkasten landet. Sie sind zwei eiskalte Wunderkerzen. Nur die Meisen, wenn sie über ihnen durch den Himmel stieben, sind heller, schneller und bunter. Und natürlich der Staub, wenn er in nur leichter Konzentration seine Regenbogenkometenhaftigkeit ausspielt.

Boris Pfeiffer ist einer der meistgelesenen Kinderbuchautoren Deutschlands (er schreibt z.B. mit großer Freude die Drei ??? Kids) und Gründer des Verlags Akademie der Abenteuer. Zuletzt erschien dort zusammen mit der in Australien lebenden Malerin Michèle Meister der Gedicht- und Bildband für Erwachsene Lockdown – ein C-Movie. Vier große Gedicht- und Bildbände sind in Arbeit. Erste Ausschnitte finden sich hier. Seit Ende 2021 erscheint bei Harper & Collins sein neues vierbändiges Werk für Kinder SURVIVORS.

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