Unterwegs mit Christine …

von Boris Pfeiffer

Auf den Kosmetiksalon, in dem mir Maria die Hände mit Salz und das Gesicht mit einer Jungbrunnencreme behandelt hat und hernach alles nur 50% der dreistelligen Grundsummen im vorderen Drittel der Vierstelligkeit für mich kosten sollte, es sei denn, ich nähme zwei zum Preis von einem, folgt das süße Leben. Christine führt mich in Valeries Boutique du Goût … Genève wie es leibt und lebt. Morgen ist alles zu, weil Putin und Biden mit 4000 Mann Entourage für kompletten Stillstand sorgen, dafür gibt es jetzt Apfelsinenschokolade, scharfcremigen und wirklich nur hauchzart gesüßten Ingwer, heiße Schokolade mit allerlei Hinzufügungen für dem Gaumen. Valerie ist um die 60 und sieht mir fröhlich beim Kosten zu. Es schmeckt so gut, dass ich, des Französischen kaum mächtig, ihr nach drei Zungenschlägen um die Schokolade den einzigen französischen Witz erzähle, den ich kenne. „Was ist der Unterschied zwischen einem Mädchen und einer Frau?“ Sie kennt ihn nicht, jedenfalls nicht in Form der Pointe,  und diese lässt sie laut und zustimmend lachen. Ihr Lachen ist dunkel wie ihre Schokolade. „Ah“, ruf sie, „Ah! Er ist gut! Und ihr Männer, nicht wahr, ihr liebt die Frauen, die ein wenig Mutter und ein wenig Frau sind.“ „Nein, Valerie“, antworte ich, „aus dem Alter bin ich heraus. Ich mag jetzt Frauen, die Frauen sind. Eine Mutter suche ich nicht mehr.“ Sie lacht wieder. „Wenn du nach Genf zurückkommst, komm mich besuchen!“ – „Das war eine ernstgemeinte Einladung“, versichtert mir Christine gleich darauf auf der Straße. Ich weiß es, ich habe es gespürt. Die vermaledeite soziale Distanz der Coronazeit hat der französischen Schweiz die Seele nicht rauben können.

Boris Pfeiffer ist einer der meistgelesenen Kinderbuchautoren Deutschlands, sein Werk in viele Sprachen übersetzt. Im Verlag Akademie der Abenteuer erscheint seine (dem Verlag den Namen gebende) Buchreihe um die Magie des Wissen und die Macht des Geldes Akademie der Abenteuer. Zuletzt erschien zusammen mit der in Australien lebenden Malerin Michèle Meister der Gedichtband Lockdown – ein C-Movie.

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