Comic

// von Erwin Grosche //

Das war wieder so ein Tag – als holst du dir Pommes ab und willst dich damit vor den Fernseher knallen, um bei irgendeinem Kackfilm abzuschalten, da lärmt das Telefon »lidllit lidllit« und du denkst, da kannst du doch abnehmen, wahrscheinlich ist es Sharon Stone und sie fühlt sich einsam. Was Männer halt so denken, wenn sie mit einer Portion Pommes und zehn Bierdosen vor dem Fernseher hängen und Filme sehen, in denen Dinge gesagt werden wie: Ich kann mich nicht gut ausdrücken, sagte der Pickel und spritzte von dannen, Filme also, die so bescheuert sind, dass man nur noch schreien kann, und dann klingelt also das Telefon und du hebst ab, und dann ist es doch wieder Mutter. Du willst schon sagen: »Mutter, ich ruf’ später zurück, sonst werden meine Pommes kalt«, als sie dir brühwarm erzählt, dass sie gerade Papa erschossen habe. Da kann man schlecht sagen: »Mutter, ich rufe später zurück, sonst werden meine Pommes kalt.« Wenn die eigene Mutter Papa umgenietet hat, ist das schon eines der Ereignisse im Leben, die einem als Sohn nicht so oft passieren. Darauf kannst du einen lassen. Da fragt man sich dann schon, und was wird aus unserer Doppelkopfrunde? Und dann erzählt dir Mutter alles haarklein, vergisst auch nicht den Punkt auf dem i, geschweige denn die Stelle, wo Papa noch gelacht hatte, und du denkst, das kann doch alles nicht wahr sein, und im Fernsehen siehst du gerade einen Mann am Telefon stöhnen, und vor ihm stehen Pommes und dampfen nicht mehr, und du denkst, das bin doch ich, und dann fällt dir wieder ein, dass du ja bei Big Brother bist und nur vergessen hast, dass jeder Pups von einem mitgefilmt wird. Und um nicht wahnsinnig zu werden, knallst du deiner Mutter in die Leitung, dass sie gar nicht deine Mutter ist und du dich damals nur in ihren Kinderwagen geschlichen hast, weil du dachtest, sie wäre die einzige Tochter vom GOLD-Meier, dem größten Protz der Stadt, und nicht die siebte Heulsuse vom armen Schlucker Meier, die jede Mark fünfmal umdreht und heimlich deine gebrauchte Zahnseide benutzt und einen lieber von weitem anschreit, als etwas gegen ihren bestialischen Mundgeruch zu tun, was Papa auch letztendlich dazu bewogen hat, nur noch telefonisch mit ihr zu verkehren. Du denkst plötzlich, dass jetzt noch vor Papa deine Pommes kalt geworden sind, und dann legst du auf: Sohn keiner Mutter, Vollwaise, und du hast keinen Hunger mehr – das war wieder so ein Tag!

Erwin Grosches und Hans Christian Rüngelers Band „Das ist nicht so, das ist ganz anders“ – liebevoll und hoch gelobt von Elke Heidenreich ist jetzt wieder da! Bestellbar. Zu Lesen. Zu kaufen. Ihr müsst ihm nicht mehr hinterherlaufen. In jeder Buchhandlung zu bekommen. Von Braunschweig bis zum Gardasee. Und in Meckpomm sowieso. Köln und Paderborn gelten auch als hervorragende Lesegebiete

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr4/wdr4-buecher/audio-das-ist-nicht-so-das-ist-ganz-anders-von-erwin-grosche-100.html

Der Autor, Schauspieler, Kabarettist und – nicht zu vergessen ! – Paderborner Erwin Grosche, in jedem seiner Fächer ein herz- und kopferreichender Meister, veröffentlicht im Verlag Akademie der Abenteuer als nächtes Buch den Gedichtband „Das ist nicht so, das ist ganz anders“. Die umwerfenden farbigen Holzschnitte dazu stammen von Hans Christian Rüngeler. Inzwischen arbeitet Erwin Grosche an „Grosches Weltlexikon Zwo“ – es wird im Frühjahr 2023 im Verlag Akademie-der-Abenteuer erscheinen. Der Verlag Akademie der Abenteuer wurde Ende 2020 gegründet, um in diesem Kinderbücher neu aufzulegen und Bücher in die Welt zu bringen, die es sonst vielleicht nicht gegeben hätte. Seitdem sind über 50 Bücher von mehr als 20 Autorinnen und Autoren aus vielen Teilen der Welt erschienen – und die Reise geht weiter. Alle Bücher des Verlags lassen sich finden im Überblick.

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