AUS DER ZEIT GEFALLEN

von Felix Huby

Ich habe Ärger mit der Sparkasse. Mein Online-Zugang zum Push-TAN-Verfahren ist plötzlich gesperrt. Ich rufe an, und nachdem Ich etwa drei Stunden in verschiedenen Warteschleifen hing („Wenn Sie Privatkunde sind, drücken sie die Eins“), schaffe ich es endlich, ein menschliches Wesen am Telefon zu erreichen.
„Ich bin über 80“, sage ich, „Sie müssen mir helfen.“
„Haben Sie einen Sohn oder einen Enkel“, fragt die Dame zurück.
„Warum?“, will ich wissen.
„Ich fürchte, alleine schaffen Sie es nicht.“
„Aha, dürfte es denn auch eine Tochter einer Enkelin sein?“
„Ja, sicher.“
„Und warum soll ich das alleine nicht schaffen?“
„Haben Sie Android? Sie müssen nämlich zunächst über den Playstore eine Sparkassen-App runterladen, ein Passwort eingeben, das nicht mit dem Online-Zugang zu Ihrem Computer übereinstimmen darf.“ (Acht Stellen, bestehend aus Groß- und Kleinbuchstaben und Zahlen müsse es enthalten.) „Dann können wir Ihnen Zugangsdaten schicken, damit Sie die neue Push-Tan einrichten können. Eins müssen Sie über den Browser machen, und eins über die App. Und denken Sie daran, sie sollten später immer wieder neue Passwörter wählen. Zur Sicherheit. Alles verstanden?“
Nichts! Ich fühle mich, als wäre ich aus der Zeit gefallen.
Zum Glück habe ich einen Sohn.

Felix Huby hat zuletzt im Verlag Akademie der Abenteuer seinen Bodensee-Roman „Die Bootsbauer“ veröffentlicht. Im Herbst diesen Jahres erscheint sein gemeinsam mit Hartwin Gromes verfasster Epochenroman über das Leben Clara Zetkins.

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