Am Netz

von Boris Pfeiffer

Auf dem Badmintonfeld stehen sich der nicht immer so gemütliche Pfälzer, ein wunderbarer Mann mit großer Nase und jeder Menge Herz, und der rothaarige, eher hibbelige und gerne häschenartig auf dem Feld herumspringende Anwalt direkt am Netz gegenüber.
Der Pfälzer, mit dem ich mich eben noch sattsam über Berliner Eierkuchen und Flädle und Worte wie dämpfig oder das schwäbische Wort für Bierbankgarnitur (das sich in meiner Erinnerung auf Mannen reimt) unterhalten habe, ruft laut: „Aua!“ Er streckt dem Anwalt seine Hakennase entgegen. „Kannst du nicht aufpassen?“ Wirklich hat der Anwalt ihm den Federball an den Kopf geschossen. Ohne Absicht, aber wehgetan hat es dennoch.
„Kann ich doch nix dafür, wenn du da stehen bleibst“, hibbelt der Anwalt zurück. „Und was soll ich sagen? Ich hab den Ball fast an die Schulter gekriegt. Ich habe sieben Schrauben drin!“
„Im Kopf?“, ruft der Pfälzer. „Ah, ja – das erklärt so einiges!“
Am Spielfeldrand breche ich zusammen. Ich liebe diese Kerle.

Boris Pfeiffer ist einer der meistgelesenen Kinderbuchautoren Deutschlands, sein Werk in viele Sprachen übersetzt. Im Verlag Akademie der Abenteuer erscheint seine (dem Verlag den Namen gebende) Buchreihe um die Magie des Wissen und die Macht des Geldes Akademie der Abenteuer. Zuletzt erschien zusammen mit der in Australien lebenden Malerin Michèle Meister der Gedichtband Lockdown – ein C-Movie.  

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