Ach, Yonne

von Boris Pfeiffer

Wir haben gespürt, gewusst, dass du stirbst. Du überblühtest so. Du strahltest, hast überpaced, warst über dich selbst hinaus, gabst mehr Sconto, redetest schneller, wirktest wirr. Ich werde dich so sehr vermissen, Yonne. Dein Faible für schöne Dinge wird in dieser kleinen Stadt einsam stehen bleiben wie ein Turm. Ich habe geweint, als ich heute in deinen Laden kam. Daniela und Cristina sagten es mir. Das Geschäft war wie leer ohne dich. Ich hätte am Liebsten alles gekauft, um die Leere auszugleichen. Um nicht wegzugehen. Ich habe so geweint. Die glücksbringenden Konvexspiegel hinter der Kasse, die Tassen mit goldenen Henkeln, die bunten Gläser. Es gibt soviel zu erzählen. Wie ich den Glasständer aus Mailand  durch Berlin getragen habe, mit 30 Gläsern bestückt – und mir ist nur eins runtergefallen auf der Lietzenburger und sofort wollte ein Typ mir das ganze Ding abkaufen. Yonne! Das wäre mir nie in den Sinn gekommen. Du hast mir den Ständer exklusiv verkauft. Außer bei mir steht er nur in deinem Schaufenster. Bottega di Yonne. Cazzo, Cavolo, Caspita, come mi manchi. Ich will nicht, dass du schon tot bist. Du hast die schönen, etwas kitschigen Dinge so sehr geliebt. Wie Blumen mit Blüten, Ameisen mit roten Erdbrocken, Bienen mit Pollen, Männer in Liebe.  

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